Praxisfelder des bürgerschaftlichen Engagements VIII

Weiterbildungs-ExpertInnen.

Wie aus Teilnehmenden TeamerInnen werden

In Veranstaltungen der politischen Erwachsenenbildung, die sich vornehmlich an ältere Menschen richten, werden zwei Punkte immer wieder moniert.

Erstens gäbe es zuwenig Angebote speziell für SeniorInnen und das läge zweitens auch daran, dass Themenschwerpunkte wie Lebensformen im Alter, aktive Gestaltung der nachberuflichen Phase, bürgerschaftliches Engagement in Verbindung mit dem demografischen Wandel sowie Generationengerechtigkeit zu wenig angesprochen würden.

Es kommt hinzu, dass der Anteil Älterer, die an Veranstaltungen der politischen Bildung teilnehmen, in den letzten Jahren beständig gewachsen ist und es sich hier somit um ein expandierendes Geschäftsfeld in einem ansonsten quantitativ schrumpfenden Bildungsbereich handelt. Als Lösung wurde vorgeschlagen, dass ältere Menschen Ihre Sache stärker selber in die Hand nehmen und entsprechend motiviert und qualifiziert eigenständig entsprechende Bildungsangebote machten.

Dieser Impuls ist Anlass, einWeiterbildungsangebot zu entwickeln, bei dem interessierte ältere Menschen dazu qualifiziert werden, selbst als TeamerInnen in Veranstaltungen der politischen Bildung aktiv zu werden. Konkret geht es darum, einen SeniorenteamerInnenarbeitskreis aufzubauen, der – kontinuierlich angebunden an den Bildungsträger ARBEIT UND LEBEN – Veranstaltungen der beschriebenen Form durchführt. Insofern sollen mit dieserMaßnahme aus stärker rezeptiven „StammkundInnen" der Bildungsarbeit AkteurInnen in der Weiterbildung werden.

Angesprochen für dieses Vorhaben werden ehemalige TeilnehmerInnen aus Bildungsurlaubsveranstaltungen sowie eine Gruppe von ver.di SeniorInnen, die im losen Verbund gewerkschaftlich aktiv waren und gleichzeitig Interesse daran äußerten, neue Aufgaben zu übernehmen. Der Kontakt zur letztgenannten Gruppe entstand über Kooperationsveranstaltungen im Bildungsbereich. Bei ihren Mitgliedern handelt es sich um GewerkschafterInnen, die während ihrer beruflichen Tätigkeit regelmäßig Angebote der politischen Bildung nutzten. Einige der Teilnehmenden haben auch bereits Erfahrungen als „Vortragende“ bei Informationsveranstaltungen innerhalb der Gewerkschaften.

Inhaltliche Schwerpunkte

Im Mittelpunkt der Weiterbildung, die in Form von mehrtägigen Veranstaltungen und einer Hospitationsphase absolviert wird, stehen folgende thematische Schwerpunkte:

  • Leitbild, Zielsetzungen und Rahmenbedingungen der politischen Bildungsarbeit
  • TeamerIn bzw. ReferentIn in Bildungsveranstaltungen (Rollenbilder)
  • Anforderungen an die Durchführung von Bildungsveranstaltungen mit öffentlicher Förderung
  • Methoden und Arbeitsformen in der Erwachsenenbildung
  • Dokumentation und Evaluation von Seminaren
  • Bildungsthemen im Zusammenhang mit Alter, Generationenverhältnis und dem demografischen Wandel
  • Leitung und Führung im bürgerschaftlichen Engagement

Durchgeführt wird das Weiterbildungskonzept mit einer festen Gruppe. Dies hat den Vorteil, dass von Beginn an alle Teilnehmenden auf ein gemeinsames Ziel hin orientiert sind und gleichzeitig die feste Gruppenidentität auch dazu führt, dass bestimmte Anfangschwierigkeiten, wie Sprechen vor der Gruppe etc. in einem wohlwollend -unterstützenden Kontext eingeübt werden können.

Didaktischer Kommentar

Als entlastend und hilfreich aus der Sicht der Teilnehmenden hat sich erwiesen, zunächst die ersten Praxiserfahrungen in der Hospitation zu machen. Sie mussten auf diese Weise nie die ganze Verantwortung für die Veranstaltung übernehmen, sondern konnten sich ganz auf einzelne Phasen konzentrieren. Grundsätzlich als sinnvoll hat sich hier die Tandem-Lösung mit einem Hauptamtlichen bewährt, der die Gesamtverantwortung behielt. Aufs Ganze gesehen hat es sich auch als richtig erwiesen, die Qualifizierten weiter in der festen Gruppe zu belassen und durch einen Teamerarbeitskreis an den Träger zu binden. Das ermöglicht den kontinuierlichen Dialog in der vertrauten Gruppe.

Reflektierte Erfahrungen

Umim Engagementfeld „TeamerInnen für die Erwachsenenbildung“ aktiv zu werden, sind bestimmte Erfahrungen der Teilnehmenden besonders hilfreich. Es ist ein guter Anknüpfungspunkt, wenn auf Seiten der betreffenden SeniorInnen ein grundsätzliches Interesse an gesellschaftspolitischen Themen und auch entsprechende Kenntnisse bereits bestehen. Gleich wichtig sind Erfahrungen mit und in Bildungsveranstaltungen. Die Teilnehmenden sollten hier „Profis“ sein, denn eine gewisse Vertrautheit mit den Abläufen der Weiterbildung senkt erkennbar die Zugangsbarrieren und wirkt sich positiv auf die Motivation aus, eine andere, wesentlich aktivere Rolle zu übernehmen.

Ein Nebeneffekt hat sich nach Auslaufen derModellphase herausgestellt.Die für die Bildungsarbeit qualifizierten SeniorenteamerInnen sind über das eigentliche Bildungsfeld hinaus aktiv geworden. Sie treten nun auch in anderen Kontexten auf, z. B. als ReferentInnen bei Gewerkschaftsveranstaltungen bzw. bei verschiedenen bürgerschaftlich engagierten Seniorengruppen. Einige beraten selbstorganisierte oder gewerkschaftliche Gruppen in konkreten Weiterbildungsfragen, helfen Finanzierungsprobleme zu klären oder stellen Kontakte zu ExpertInnen für verschiedene Themen und Felder her. Fokus bleibt aber stets die Bildungsarbeit mit Älteren bzw. deren bürgerschaftliches Engagement in einer älter werdenden Gesellschaft.

 
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Engagementfeld Weiterbildungs-ExpertInnen

Grundsätze einer alternsgerechten Didaktik

  • Selbststeuerung des Lernens (persönlich definiertes Lerntempo,individuell bestimmte Wiederholungs- und Vertiefungsschritte, ausreichend Zeit für Übung)
  • Anknüpfung an Erfahrungswissen (Verdeutlichung der Praxisrelevanz des Stoffs und des persönlichen Lerngewinns im Rahmen von Aufgaben, Beispielen, Übungen)
  • Individualisierung (systematischer Bezug auf individualspezifische Kenntnisse und Arbeitsplatzanforderungen, Berücksichtigung individueller Lernvorlieben, z. B. hinsichtlich Lerntempo, Umgebung, Lernstil)
  • Differenzierung (Berücksichtigung sozialer Ausgangsvoraussetzungen im Hinblick auf Gesundheitszustand, Nationalität, Geschlecht, Bildung etc.)

Materialien und methodische Beispiele

Lernen im Alter

Titel: Der Situation angemessen

Ziel: Veränderte Lernbedingungen im Alter kennen

Methoden: Pro- und Contra-Diskussion, Kleingruppen, Vortrag

Dauer: 2,5 Stunden

Beschreibung:

  • Die Teilnehmenden bereiten eine Pro- und Contra- Diskussion zum Thema: „Was Häns`chen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ vor (2 Gruppen)
  • Vorstellung als Podiumsdiskussion im Plenum
  • Auswertung unter der Frage: Welche Argumentationen waren überzeugender?
  • Sammlung auf einem Flip-Chart: Wie muss alternsgerechtes Lernen aussehen? -unter Berücksichtigung meiner persönlichen Bedürfnisse und des Lernens in der Gruppe
  • ggf. Ergänzung durch die ModeratorIn und Spiegelung an den wissenschaftlichen Erkenntnissen

 
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Engagementfeld Weiterbildungs-ExpertInnen

Materialien und methodische Beispiele

SeniorInnen werden TeamerInnen

Titel: Wir machen Programm

Ziel: Themen für Veranstaltungen finden

Methode: Impuls-Bild, Kleingruppen, Brainstorming

Dauer: 1 Seminar-Tag

Beschreibung:

  • Brainstorming zu der Frage: Welche Themen ergeben sich für Euch aus der Betrachtung des Bildes (Arbeit in Kleingruppen)
  • Ergebnisse werden auf Wandzeitung gesammelt
  • Welche Themen sind für welche Zielgruppe geeignet?
  • Welche Veranstaltungsformen bieten sich an?
  • Zusammenfassung in einem Wandzeitungsprotokoll, das folgendes Raster hat: 1) Thema 2) Inhalt 3) Zielgruppe 4) Veranstaltungsform
  • Vorstellung und Diskussion des vorläufigen Programms mit den hauptamtlichen MitarbeiterInnen der Weiterbildungseinrichtung

 
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Engagementfeld Weiterbildungs-ExpertInnen

Checkliste

Der gelungene Einstieg

Allgemeines:

  • Persönliche Vorstellung
  • Vorstellung der Institution, für die die TeamerInnenarbeiten
  • Vorstellung des Hauses
  • Essenszeiten
  • Freizeitgestaltungsmöglichkeiten im Haus
  • Freigestaltungsmöglichkeiten im Ort und in der Umgebung

Seminareinstieg:

  • Seminarzeiten, -inhalte, -unterlagen (TN-Listen etc.) und die Vorstellung des Programmablaufes
  • Anrede der TeilnehmerInnen klären, Du oder Sie
  • Offene Diskussion
  • Demokratischer Stil, alle werden ernst genommen
  • Gender-Mainstraming, Culture-Mainstreaming
  • Störungen haben Vorrang
  • Kritik, immer erlaubt

Materialien und methodische Beispiele

Professionell beginnen

Titel: Der gelungene Einstieg

Ziel: Eine Checkliste für den Einstieg erstellen

Methode: PartnerInnen-Arbeit, Kartenabfrage, Plenum

Dauer: 1,5 Stunden

Beschreibung:

  • Die 2er Gruppen erarbeiten die Punkte, die ihrer Meinung nach zu einem guten Einstieg gehören und dokumentieren sie auf Karten
  • Eine Gruppe beginnt mit der Präsentation und pinnt ihre Karten an die Metaplan-Wand, die nach- folgenden Gruppen ergänzen zusätzliche Punkte
  • Die Moderation ergänzt mögliche fehlende Punkte und weist auf die institutionellen Rahmen- bedingungen hin, beispielsweise Teilnahmelisten, die aus abrechnungstechnischen Gründen mit in die Checkliste gehören
  • Einüben der Einstiegs-Situation in kleinen Gruppen

 
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Engagementfeld Weiterbildungs-ExpertInnen

Materialien und methodische Beispiele

Perspektiven-Wechsel

Titel: Mit anderen Augen

Ziel: Den Unterschied zwischen TeamerIn- und TeilnehmerInnenperspektive wahrnehmen und schulenMethode: Kleingruppen, Rollenspiel, Coaching

Dauer: 1 halber Seminartag

Beschreibung:

  • Drei Arbeitsgruppen bereiten eine kurze, thematische Seminareinheit vor, beispielsweise zum Thema: Ruhestand - was nun?
  • Sie nutzen die Methoden, die sie bereits kennen gelernt haben Ca 30 –40 min.
  • Im nächsten Schritt legt jede Arbeitsgruppe fest, wer in der Präsentation die TeamerIn, und wer die TeilnehmerInnen sind. Anschließende präsentiert jede Gruppe spontan ihre Seminarsituation
  • Vorher wird festgelegt, welche der beiden anderen Gruppen das TeamerInnen-Coaching übernimmt und für die Auswertung folgende Punkte im Blick hat: Wie wirkt der/die TeamerIn.Wo liegen ihre/seine Stärken Wo gibt es noch Unterstützungsbedarf.
  • Die verbleibende Gruppe beobachtet die TeilnehmerInnen und gibt anschließend Feed-Back zu den Fragen: Wirken die TeilnehmerInnen angesprochen und beteiligt?Was kam bei den TeilnehmerInnen gut an? Was kam weniger gut an?
  • Im Auswertungsgespräch gibt es mündliche Rückmeldungen; es wird nichts dokumentiert
  • Die nächste Gruppe präsentiert und die beiden anderen Gruppen übernehmen den Beobachtungspart, den sie noch nicht hatten

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